Drei Mythen über Fett

Egal ob Sahnetorte, Croissant oder herzhafte Soßen: Fettreiche Nahrungsmittel schmecken uns ganz besonders gut, denn Fett ist ein außerordentlich guter Geschmacksträger. Und doch stellt sich stets das schlechte Gewissen ein, wenn man mal wieder gesündigt hat.

Der Grund: Lange Zeit galt unter Lebensmittelexperten die quasi unumstößliche Annahme, dass Fette der Hauptgrund für Übergewicht und damit mitverantwortlich für viele Erkrankungen seien. Heute weiß man: In Maßen sind Fette unserer Gesundheit durchaus zuträglich – wenn man auf die richtigen Fette setzt. Wir gehen drei weit verbreiteten Fett-Mythen auf die Spur.

Mythos #1: Fett macht grundsätzlich dick und krank

Die meisten tierischen Erzeugnisse wie Butter, Sahne, Fleisch- und Wurstwaren, aber auch andere Nahrungsmittel wie Kokosfett und Palmöl sind reich an gesättigten Fettsäuren. Diese können den Cholesterinspiegel in die Höhe treiben und den Fettstoffwechsel negativ beeinflussen. Einen positiven Nutzen haben gesättigte Fettsäuren hingegen kaum – was jedoch nicht bedeutet, dass Fett per se gesundheitsschädlich ist.

Denn die meisten pflanzlichen Fette, die beispielsweise in pflanzlichen Ölen wie Oliven- oder Rapsöl, Nüssen, Samen oder Avocados stecken, sowie fettreicher Seefisch wie Makrele, Hering oder Lachs enthalten viele gesunde ungesättigte Fettsäuren. Diese nutzt unser Körper, um beispielsweise essenzielle Substanzen gegen Entzündungen oder zur Blutgerinnung zu bilden. Darüber hinaus kann unser Organismus die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K nur mithilfe von Fetten aufnehmen.

Wovon Ernährungswissenschaftler jedoch abraten, sind sogenannte Trans-Fettsäuren, die zur chemischen Härtung von Fetten verwendet werden und besonders große Mengen an gesättigten Fettsäuren enthalten. Sie kommen unter anderem in Chips, Blätterteigwaren und Frittiertem vor und sollten nur einen sehr kleinen Bestandteil der Ernährung ausmachen. Der Grund: Wegen ihrer negativen Auswirkungen auf den Fettstoffwechsel können sie Adipositas und Herzerkrankungen begünstigen.

Da sich ungesättigte und gesättigte Fettsäuren in ihrem Nutzen für den menschlichen Körper also offensichtlich stark unterscheiden, ist im allgemeinen Sprachgebrauch häufig auch von guten bzw. günstigen und schlechten bzw. ungünstigen Fetten die Rede. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie hier.

Mythos #2: Fett ist kein geeigneter Energielieferant

Gemeinhin gelten Kohlenhydrate als idealer Energielieferant für Sportler. Dass Bananen, Nudeln und Co. diesem Ruf durchaus gerecht werden, steht außer Frage. Doch tatsächlich liefert ein Gramm Fett zweieinhalbmal so viel Energie wie ein Gramm Kohlenhydrate! Natürlich gilt es in diesem Zusammenhang, möglichst auf Nahrungsmittel mit ungesättigten Fettsäuren zurückzugreifen und stets das richtige Maß zu halten. Fakt ist aber: Fett ist ein hervorragender Energielieferant.

Überschüssige Energie aus Fett wird jedoch in sogenannten Fettzellen gespeichert – als Reserve für schlechte Zeiten. Was sich für den Menschen in früheren Zeiten als extrem nützliche Eigenschaft erwies, wenn mal wieder eine längere Phase der Nahrungsmittelknappheit überbrückt werden musste, ist heutzutage aber häufig mehr Fluch als Segen. Insbesondere Menschen in Industriestaaten müssen eher aufpassen, dass sie nicht zu Übergewicht neigen – gesättigte Fettsäuren lauern nämlich in vielen industriell hergestellten Speisen.

Mythos #3: Wer auf Fette und Proteine setzt, nimmt schneller ab

Seit langem macht die Diät von Robert Atkins regelmäßig von sich reden. Bereits in den Siebzigerjahren entwickelte der US-amerikanische Kardiologe ein Abnehmprogramm mit reduzierten Kohlenhydraten. Konkret bedeutet das: Kohlenhydrate verschwinden weitestgehend vom Speiseplan; stattdessen wird der Fokus auf fett- und proteinreiche Lebensmittel gelegt. Je nach Phase sollen nur 15 Prozent der Gesamtkalorienzufuhr auf Kohlenhydrate entfallen, während 45 Prozent der gesamten Energie durch Fette aufgenommen werden sollen. Hintergrund dieses Konzepts: Wenn dem Körper keine Kohlenhydrate mehr zur Verfügung stehen, bedient er sich zunächst an den Glykogenspeichern in Muskeln und Leber. Sind diese ebenfalls aufgebraucht, greift der Organismus auf im Körper gelagerte Fette und Proteine zurück, die ihm noch als Reserven zur Verfügung stehen.

Ernährungsexperten sehen die Diät kritisch. Stellen sich im Hinblick auf die Gewichtsreduktion schnell Erfolge ein, hängt dies in der Regel damit zusammen, dass der Körper zunächst einmal viel Wasser ausscheidet. Denn das Glykogen, das nach und nach abgebaut wird, hat unter anderem die Funktion, Wasser zu binden. Das verhältnismäßig strikte Konzept kann außerdem dazu führen, dass sich Heißhungerattacken häufen.

In der Kritik steht die Diät aber vor allem wegen gesundheitlicher Bedenken. Aufgrund des hohen Fettanteils können die Blutfettwerte stark ansteigen, wodurch Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigt werden können. Die großen Mengen an Proteinen können zudem die Nieren belasten.

Fazit: Gute Fette in Maßen erlaubt

Ernährungsmediziner sind zu der Auffassung gelangt, dass eine allgemeine Überernährung in Kombination mit Bewegungsmangel ein viel häufigerer Grund für Adipositas ist. Fette aus pflanzlichen Quellen sollten in jedem Fall Bestandteil der Nahrung sein, solange ein gesundes Maß eingehalten wird.

Quellen:

https://www.apotheken-umschau.de/fette

https://www.dge.de/presse/pm/dge-empfiehlt-auf-fettmenge-und-qualitaet-achten/ https://eatsmarter.de/ernaehrung/news/fuenf-mythen-thema-fett

https://www.netdoktor.de/diaeten/atkins-diaet/

Emma Richter