Wenn die eigenen Eltern schlapp machen – Pflege organisieren

Ihr Leben lang kümmern Eltern sich um ihre Kindern, pflegen sie bei Krankheiten wieder gesund, helfen bei jeglichen Problemen und bieten alle Unterstützung, die sie aufbringen können. Eines Tages kann jedoch der Tag kommen, an dem Eltern die Hilfe ihrer Kinder benötigen.
Doch wie genau ist den eigenen Eltern am besten geholfen? Wie kann man die optimale Pflege organisieren?

Den Pflegegrad einschätzen

Wenn Ihren Eltern irgendwann die Kräfte schwinden sollten und Sie Pflege benötigen, so ist es zunächst wichtig den Grad dieser Pflegebedürftigkeit einschätzen zu können.
Dieser schätzt umfassend ein, bei welchen Tätigkeiten jemand aufgrund von körperlichen, psychischen oder geistigen Einschränkungen für eine längere Zeit Hilfe benötigen wird.

Pflegegrad 1 bedeutet, dass die entsprechende Person nur wenig eingeschränkt ist während diese Bedürftigen, die mit Pflegegrad 5, der höchsten Stufe, eingeschätzt werden, schwerst beeinträchtigt sind. Je nach Pflegegrad kann man bis zu 901 Euro im Monat erhalten, wenn ein Angehöriger die Person pflegt. Falls ein Pflegedienst die Pflege übernimmt kann man bis zu 1995 Euro monatlich erhalten. Ebenso können Sie Pflegesachleistung sowie Pflegegeld erhalten.

Daher ist es als ersten Schritt wichtig die Pflegekasse des Elternteils mit einem formlosen Schreiben zu kontaktieren, woraufhin Sie ein Antragsformular erhalten, welches Sie ausgefüllt zurückschicken. Selbstverständlich benötigen Sie jeweils die Unterschrift des Elternteils. Schließlich beurteilt ein Gutachter die Pflegestufe. Sobald die Krankenkasse diese bestätigt hat, erhalten Sie finanzielle Unterstützung.

Pflegeoption auswählen

Sobald Sie erfahren haben, wie viel Pflegegeld oder Pflegesachleistung der Betroffene jeden Monat bekommt, sollten Sie berechnen, wie viel Geld diesem somit mitsamt monatlicher Rente und bisherigem Ersparnis zur Verfügung steht. Damit können Sie zunächst abschätzen, welche Pflegemöglichkeit Sie sich leisten können. Zudem wissen sie den Pflegegrad des Elternteils und können sich Gedanken über die genaue Form der Pflege machen

Ambulante Pflege durch Angehörige

Die meisten Senioren bevorzugen es weiterhin zuhause im vertrauten Umfeld wohnen zu bleiben. Sie können Ihre Eltern dabei selbst in deren eigenen vier Wänden besuchen und pflegen oder diese bei sich einziehen lassen und dort pflegen. Finanziell ist diese Möglichkeit leichter zu tragen als andere Optionen, da sie das Pflegegeld des Elternteils erhalten können und zudem Anspruch auf weitere Hilfsformen oder auch einen kostenlosen Pflegekurs absolvieren können, sodass Sie sich optimal um Ihr Elternteil kümmern können. Damit Sie nicht rund um die Uhr Ihr Leben verändern müssen, können Sie hin und wieder, ohne Kürzung des Pflegegelds eine stundenweise Verhinderungspflege beantragen. Je nach Pflegegrad beansprucht dies allerdings sehr viel Zeit.

Ambulanter Pflegedienst

Falls Ihnen diese Option aus zeitlichen oder anderweitigen Gründen nicht möglich ist, so können Sie ebenso einen ambulanten Pflegedienst nach Hause bestellen, welcher tagsüber sowie nachts die Grundversorgung der Senioren abdecken kann und darüberhinaus auch eine hauswirtschaftliche Betreuung. Die Kosten für einen ambulanten Pflegedienst wird ab Pflegestufe 2 durch die bezogenen Pflegesachleistungen vollkommen abgedeckt.

Des Weiteren ist auch eine längerfristige Pflege auf Monatsbasis daheim möglich. Dafür werden von den Pflegeorganisationen Mitarbeiter für bestimmte Pflegebedürftige ganztägig abgestellt und diese kümmern sich dann meist den ganzen Tag fast ausschließlich. Es gibt hier auch spezielle Services wie zum Beispiel die Deutsche Seniorenbetreuung, die bei ganztägigem Pflegebedarf auch Pflegekräfte aus anderen Ländern wie Polen organisiert (Quelle: https://www.deutsche-seniorenbetreuung.de/pflegekraefte-aus-polen/)

Zwischenstufe zwischen ambulanter und stationärer Pflege

Falls Sie Ihre Eltern aus beruflichen oder anderen Gründen tagsüber oder nachts nicht betreuen können, so ist die teilstationäre Tages- und Nachtpflege eine gute Option, da Sie Ihre Eltern auch in der Zeit, in der Sie selbst keine Unterstützung leisten können, sicher versorgt in einem Pflegeheim wissen. Dies bietet auch dem Betroffenen die Möglichkeit neue Kontakte zu knüpfen. Die Pflegekasse übernimmt zusätzlich zu den üblichen Bezügen zudem einen Teil der Kosten für diese Pflegeform.

Senioren-WG

Finanziell leichter zu tragen, gegenseitige Unterstützung und keine Einsamkeit mehr – Einige Senioren gründen gemeinsam eine Wohn- oder auch Hausgemeinschaft. Häusliche Pflege können Sie dazu auswählen, wenn sich mehrere Senioren einen Pflegedienst teilen, senkt das zudem die Kosten.

Betreutes Wohnen

Hierbei wohnen mehrere Senioren in einer speziellen altersgerechten Wohnanlage, wobei sie von Pflegekräften je nach Gebrauch unterstützt werden. Pflegeleistungen übernimmt die Kasse, Miete und einen Pauschalbetrag von rund 100 Euro muss der Betroffene selbst übernehmen.

Pflegeheim

In einigen Fällen ist auch ein Pflegeheim die beste Option, in welchem dem Elternteil eine umfassende Pflege rund um die Uhr geboten werden kann. Hierbei müssen Sie wissen, dass die Pflegekasse nur die die anfallenden Pflegekosten übernehmen muss. Ein großer Teil des sogenannten Heimentgelts, welches sich aus Kosten für die Unterkunft sowie für Verpflegung und Personal und Investitionskosten zusammensetzt, muss von dem Betroffenen selbst getragen werden. Sobald Rente und finanzielle Rücklagen des Elternteils diese Kosten nicht mehr abdecken können, müssen die Kinder die Kosten weitertragen. Daher sollten Sie vorher die kommenden Kosten für ein Pflegeheim genau kalkulieren und abschätzen, damit Sie nicht selbst in finanzielle Not kommen.

Emma Richter